Veröffentlicht am 1. April 2026
Lesedauer ca. 4 Minuten

Voluntary Local Review: Wie Kommunen ihre Nachhaltigkeitsziele transparent machen

  • Für Kommunen, die Nachhaltigkeit nicht nur versprechen, sondern nachweisen wollen
  • Druck, Nachhaltigkeitsleistungen messbar darzustellen, wächst weiter
  • Frühzeitiges systematisches Berichten erhöht Handlungsfähigkeit
Ina Eichhoff
Partner
Steuerberaterin, Sustainability Auditor IDW
Thomas Hück
Manager
Wirtschaftsprüfer
Wäre es nicht gut, wenn Sie genau wüssten, welchen messbaren Beitrag Ihre Kommune zu den globalen Nachhaltigkeitszielen leistet? Nachhaltigkeit ist für Kommunen längst kein optionales Leitbild mehr.

Als PDF lesen:

Jetzt hier
herunterladen  »

 

Bei Themen wie Klimaschutz, sozialer Teilhabe oder resilienter Infrastruktur wachsen die Anforderungen an Transparenz und strategische Steuerung stetig. Gleichzeitig stehen Kommunen vor der großen Herausforderung, ihre vielfältigen Aktivitäten strukturiert darzustellen und mit messbaren Zielen zu unterlegen.

Die SDGs im kommunalen Kontext und der Voluntary Local Review (VLR)

Die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen bilden seit 2015 den globalen Referenzrahmen für nachhaltige Entwicklung. Viele dieser Ziele betreffen unmittelbar kommunale Handlungsfelder wie Mobilität, Bildung, Wohnraum und soziale Gerechtigkeit. Daher sind Städte und Gemeinden wesentliche Umsetzungsakteure. Zugleich fragen Bürgerinnen und Bürger, Aufsichtsgremien und Fördermittelgeber zunehmend nach belastbaren Daten und nachvollziehbaren Strategien.

Genau hier setzt der Voluntary Local Review an. Er ist ein freiwilliger, an den SDGs orientierter Nachhaltigkeitsbericht auf lokaler Ebene. Kommunen analysieren dabei systematisch, wie sie zu den globalen Nachhaltigkeitszielen beitragen. Sie identifizieren Handlungsbedarfe und formulieren Entwicklungsperspektiven. Seit den ersten VLRs im Jahr 2018 hat das Instrument international enorm an Dynamik gewonnen. Auch in Deutschland nutzen immer mehr Städte, Gemeinden und Landkreise dieses Format, um ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten zu strukturieren und transparent nach außen zu kommunizieren.

Strategischer Nutzen als Managementinstrument

Richtig eingesetzt, entfaltet ein VLR eine erhebliche strategische Wirkung für Ihre Verwaltung. Er bietet weit mehr als nur ein einfaches Berichtsdokument.

Klimarisiken strategisch antizipieren und kommunale Resilienz stärken. Ein VLR macht physische Risiken (z.B. Extremwetterfolgen für Infrastruktur) sowie transitorische Risiken (z.B. regulatorische Anforderungen, Energiepreisentwicklungen) transparent und bewertbar. Dadurch kann die Verwaltung frühzeitig priorisieren, Investitionsentscheidungen strategisch ausrichten und die Zukunftsfähigkeit des Standorts sichern. Langfristig werden so teure Ad-hoc-Maßnahmen vermieden und kommunale Gestaltungsspielräume erhalten.

Transparenz schaffen. Durch die systematische Erfassung kommunaler Maßnahmen entsteht ein strukturiertes Gesamtbild. Entscheidungsträger erhalten so eine fundierte Grundlage für Priorisierung und Ressourcenallokation.

Steuerungsfähigkeit stärken. Indem Nachhaltigkeitsziele mit Indikatoren verknüpft und regelmäßig überprüft werden, entsteht ein wirkungsorientiertes Managementinstrument.

Standortprofilierung verbessern. Kommunen, die ihre Nachhaltigkeitsleistungen transparent dokumentieren, erhöhen ihre Attraktivität für Fachkräfte, Unternehmen und Bürger deutlich.

Zugang zu Fördermitteln erleichtern. Ein VLR zahlt sich auch finanziell aus. Viele Förderprogramme auf kommunaler, nationaler und europäischer Ebene sind zunehmend an Nachhaltigkeitskriterien geknüpft.

Herausforderungen in der Praxis meistern

So überzeugend das Konzept in der Theorie ist, die praktische Umsetzung stellt Kommunen vor reale Herausforderungen. Eine zentrale Hürde liegt in der Datenverfügbarkeit. Oft verfügen Kommunen nicht über durchgängig belastbare Daten zu allen relevanten Indikatoren. Unterschiedliche Erhebungsmethoden sowie fehlende Zeitreihen erschweren eine konsistente Bestandsaufnahme.

Zudem erfordert der VLR eine Zusammenarbeit über Fachbereichsgrenzen hinweg. Dies reicht von Umwelt und Soziales über Finanzen bis hin zu Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung. Diese organisatorische Komplexität und interdisziplinäre Koordination sind häufig aufwendiger als erwartet. Oft fehlt es auch an methodischer Erfahrung, um aussagekräftige Indikatoren zu wählen und qualitative Maßnahmen richtig zu bewerten.

Wie gelingt der Einstieg in einen VLR?

Für Kommunen, die den Weg eines VLR einschlagen möchten, haben sich in der Praxis einige Erfolgsfaktoren herauskristallisiert.

Mit einem klaren Fokus starten. Niemand muss alle 17 SDGs sofort vollständig abdecken. Ein konzentrierter Einstieg mit ausgewählten Schwerpunkten schafft Orientierung, sichtbare Ergebnisse und organisatorische Machbarkeit. Der Prozess wächst mit der Kommune.

Pragmatisch mit Daten umgehen. Ein erster VLR darf Entwicklungspotenzial zeigen. Transparente Datenlücken und ein klarer Verbesserungsfahrplan wirken glaubwürdiger als scheinbare Vollständigkeit. Nachhaltigkeitssteuerung ist ein Lernprozess und genau das darf sichtbar sein.

Breite Perspektiven einbeziehen. Wenn Verwaltungsspitze, Fachbereiche, kommunale Unternehmen und – wo sinnvoll – auch Bürgerschaft frühzeitig eingebunden werden, entsteht ein gemeinsames Verständnis von Zielen und Prioritäten. Das stärkt Akzeptanz und Tragfähigkeit der Ergebnisse.

Bestehende Strukturen nutzen. Ein VLR muss kein zusätzliches „Nebenprojekt” sein. Eingebettet in Haushaltsplanung, Berichtswesen oder Klimastrategie entfaltet er seine größte Wirkung – als verbindendes Element statt als isoliertes Dokument.

Ausblick für ein Instrument mit Zukunft

Die Bedeutung kommunaler Nachhaltigkeitsberichterstattung wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Vorgaben wie die EU-Taxonomie, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und nationale Strategien erhöhen den Druck auf alle Ebenen, Nachhaltigkeitsleistungen messbar darzustellen.

Für kommunale Entscheidungsträger bedeutet das: Nachhaltigkeit wird vom freiwilligen Zusatzthema zum strategischen Steuerungsfaktor.

Wer jetzt strukturiert startet, verschafft sich einen klaren Vorteil. Ein VLR ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, das Transparenz, Risikobewusstsein und Priorisierungsfähigkeit stärkt. Kommunen, die frühzeitig systematisch berichten, sichern sich nicht nur Reputation, sie erhöhen ihre Handlungsfähigkeit gegenüber Politik, Aufsicht, Fördermittelgebern und Öffentlichkeit.

Der Unterschied liegt nicht im „Ob”, sondern im „Wie”.

Ihr Partner für den Voluntary Local Review

Wer hier konsequent vorangehen will, braucht ein geeignetes Instrument und einen erfahrenen Partner, der die Zusammenhänge versteht. Als Wegbegleiter und Wegbereiter unterstützen wir Kommunen und kommunale Unternehmen bei der strategischen Ausrichtung ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung. Wir begleiten Sie von der Bestandsaufnahme über die Indikatorenentwicklung bis zum fertigen Voluntary Local Review. Dabei handeln wir mit interdisziplinärem Blick, lokaler Nähe und einem klaren Ziel vor Augen.

Unser Anspruch ist eindeutig: Wir wollen kein isoliertes Berichtsdokument, sondern ein Instrument, das Ihre kommunale Steuerung stärkt und langfristig Mehrwert schafft. Wenn Sie Nachhaltigkeit nicht nur dokumentieren, sondern aktiv steuern möchten, begleiten wir Sie gerne auf diesem Weg. Sprechen Sie uns an!

Aus dem Newsletter
„Fokus Public Sector“