Voluntary Standard: Warum sich die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung lohnt
- Der Voluntary Standard schafft einen einheitlichen Rahmen für freiwillige Nachhaltigkeitsberichte.
- ESG-Daten werden zunehmend für Finanzierung und Beschaffung benötigt.
- Ein strukturierter Bericht reduziert Einzelanfragen und Mehraufwand.
- Frühes Handeln stärkt Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.
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Was ist der Voluntary Standard?
Mit dem Voluntary Standard (VS) hat die EU erstmals einen einheitlichen freiwilligen Rahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten geschaffen. Der Standard wurde – ebenso wie die überarbeiteten European Sustainability Reporting Standards (ESRS) für die Pflichtberichterstattung – am 3. Juli 2026 von der EU-Kommission als delegierter Rechtsakt verabschiedet und ersetzt den bisherigen VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs).
Er richtet sich insbesondere an Unternehmen, die nicht unter die CSRD-Berichtspflicht fallen, aber dennoch Nachhaltigkeitsinformationen für Banken, Investoren, Kunden und andere Geschäftspartner bereitstellen müssen. Im Zuge dessen definiert er ab 2027 den sogenannten „Value Chain Cap“, der kleinere Unternehmen vor überzogenen Nachhaltigkeitsanfragen von CSRD-pflichtigen Geschäftspartnern entlang der Wertschöpfungskette schützen soll. Diese sollen gemäß CSRD künftig nur solche ESG-Daten anfordern können, die durch den VS abgedeckt werden.
Eine ausführliche Darstellung der Anforderungen, des Aufbaus und der Unterschiede zum bisherigen VSME sowie zu den ESRS finden Sie in unserem Beitrag „Der Voluntary Standard (VS) für ESG: Anforderungen, Vorteile und Umsetzung“.
Die Berichtspflicht entfällt, der Informationsbedarf bleibt.
Mit den Anpassungen an der CSRD durch die Omnibus-Initiative sind Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern bzw. weniger als 450 Mio. Euro Umsatzerlösen formal nicht mehr zur Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts verpflichtet. Gleichzeitig sind die Informationsbedürfnisse von Banken, Investoren, Kunden und anderen Geschäftspartnern unverändert hoch und werden perspektivisch noch weiter zunehmen.
In der Praxis zeigt sich, dass verschiedene Stakeholder weiterhin ESG-Daten nachfragen, z.B.:
- Banken im Rahmen von Finanzierungsentscheidungen,
- Großkunden im Lieferantenmanagement,
- Investoren bei Beteiligungsentscheidungen,
- Öffentliche Auftraggeber bei Ausschreibungen,
- Versicherungen bei Risikobewertungen.
Für viele Unternehmen lautet die Frage daher nicht, ob Nachhaltigkeitsinformationen benötigt werden, sondern wie diese möglichst effizient bereitgestellt werden können. In vielen mittelständischen Unternehmen entsteht Aufwand im Zusammenhang mit ESG-Daten hierbei nicht nur durch die Datenerhebung selbst, sondern durch zahlreiche Einzelanfragen, die individuell beantwortet werden müssen.
Banken, Kunden oder Investoren fordern hierbei oftmals ähnliche Informationen an, allerdings in unterschiedlichen Formaten und zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die Folge sind dezentrale Datensammlungen, wiederkehrende Rückfragen und hoher Abstimmungsaufwand zwischen Fachabteilungen.
Eine freiwillige Berichterstattung nach dem VS kann helfen, diese Anforderungen zu bündeln. Informationen werden einmal strukturiert erhoben und können anschließend für verschiedene Zwecke genutzt werden. Dadurch entsteht ein zentraler Datenbestand, der mehrfach verwendet werden kann, idealerweise unterstützt durch eine ESG-Softwarelösung.
Aus Unternehmenssicht ergeben sich deutliche Effizienzgewinne: weniger Ad-hoc-Anfragen, geringerer Abstimmungsaufwand und konsistenter Informationsstand gegenüber externen Stakeholdern.
ESG-Daten beeinflussen zunehmend Finanzierungsentscheidungen
Nachhaltigkeitsinformationen spielen weiterhin eine immer wichtigere Rolle im Risikomanagement von Finanzinstituten. Dies zeigt sich insbesondere bei Umweltthemen: Eine aktuelle Befragung des Global Nature Fund kommt beispielsweise zu dem Ergebnis, dass Biodiversität heute zunehmend als Geschäfts-, Risiko- und Transformationsthema verstanden wird. Im Zuge dessen werden entsprechende Aspekte schrittweise in Risikomanagement- und Kreditprozesse integriert, wie es auch im Bereich Klimawandel bereits seit einigen Jahren gängige Praxis ist. Die befragten Banken nennen dabei die Verfügbarkeit belastbarer Unternehmensdaten als eine der zentralen Herausforderungen. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen fehlten häufig strukturierte Informationen, die eine Risikobewertung erleichtern würden.
Auch wenn sich die konkreten Datenanforderungen in den kommenden Jahren weiterentwickeln werden, zeichnet sich daher bereits heute ein klarer Trend ab: Nachhaltigkeitsinformationen werden zunehmen Teil wirtschaftlicher Entscheidungen, sodass an einer strukturierten Erhebung und Berichterstattung kaum ein Weg vorbeiführt, um Finanzierungsmöglichkeiten langfristig sicherzustellen.
Der größte Mehrwert liegt häufig intern
Häufig werden die Vorteile freiwilliger Berichterstattung ausschließlich aus Sicht externer Stakeholder betrachtet. Dabei entsteht auch innerhalb des Unternehmens oft bereits ein hoher Nutzen aus der strukturierten Zusammenstellung von ESG-Daten.
Die Datenerhebung schafft Transparenz über Themen wie Energie- und Ressourcenverbräuche, Lieferkettenabhängigkeiten, Personalstrukturen, Umwelt- und Klimarisiken sowie bestehende Steuerungs- und Governanceprozesse. Auf diese Weise werden Risiken, Kostenpotenziale und Verbesserungsmöglichkeiten sichtbar, die im Tagesgeschäft häufig nur fragmentiert betrachtet werden. Praxiserfahrungen zeigen, dass Berichterstattung insbesondere dann einen Mehrwert schafft, wenn sie als Managementinstrument genutzt und nicht lediglich als Kommunikationsmaßnahme verstanden wird.
Insbesondere für Unternehmen, die bislang keine strukturierte Nachhaltigkeitsberichterstattung etabliert haben, kann der VS dabei einen praxisnahen und verhältnismäßigen Rahmen bieten, um diese Transparenz systematisch aufzubauen.
Frühzeitig Strukturen aufbauen statt später unter Zeitdruck reagieren
Unabhängig von den regulatorischen Entwicklungen steigen die Erwartungen des Marktes an die Verfügbarkeit von ESG-Daten. Wer heute mit dem Aufbau von Prozessen, Verantwortlichkeiten und Datenquellen beginnt, kann dies schrittweise und bedarfsgerecht gestalten. Unternehmen gewinnen dadurch Zeit für Lernprozesse und vermeiden aufwendige Ad-hoc-Projekte, wenn Banken, Kunden, Investoren oder andere Geschäftspartner künftig zusätzliche Informationen verlangen.
Vor diesem Hintergrund kann der VS als pragmatische Einstiegslösung betrachtet werden: Er schafft Struktur, ohne den Umfang einer vollständigen ESRS-Berichterstattung zu verlangen. Gleichzeitig erleichtert er den späteren Umstieg auf die ESRS für diejenigen Unternehmen, die aktuell noch keiner Berichtspflicht unterliegen, perspektivisch aber die CSRD-Größenkriterien überschreiten werden.
Fazit: Der VS ist kein Compliance-Projekt
Wer die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung ausschließlich unter regulatorischen Gesichtspunkten betrachtet, wird ihren Nutzen häufig unterschätzen.
Der VS bietet Unternehmen die Möglichkeit,
- wiederkehrende Informationsanfragen zu bündeln,
- die Kommunikation mit Banken, Kunden und anderen Geschäftspartnern zu vereinfachen,
- Risiken systematischer zu erfassen,
- interne Prozesse zu verbessern und
- sich auf künftige Markt- und Berichtsanforderungen gezielt vorzubereiten.
Damit ist der VS weniger ein Instrument zur Erfüllung regulatorischer Erwartungen als vielmehr ein Werkzeug für Transparenz, Risikomanagement und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Wer Nachhaltigkeitsinformationen heute strukturiert erfasst, investiert nicht primär in einen Bericht, sondern in die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens.