Veröffentlicht am 18. Dezember 2024
Lesedauer ca. 4 Minuten

2024: Ein Jahr der Erkenntnisse und Herausforderungen in der Glasfaserbranche

Vivien Simon
M.Sc. Betriebswirtschaft
Veronika Kreß
Senior Associate
Finanzbetriebswirtin (IWW), Rechtsanwältin
Lucas Röckelein
B.A. Internationales Handelsmanagement, Consultant
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2024 war ein Jahr der Fortschritte und strategischen Weichenstellungen im Glasfaserausbau: Während der Ausbau zügig voranschritt, bleibt die Aktivierung der Anschlüsse eine zentrale Herausforderung. Effiziente Prozesse, gezielte Nachfragesteigerung und strategische Kooperationen sind die Schlüssel für nachhaltigen Erfolg.

2024 war ein grundsätzlich gutes Jahr für den deutschen Telekommunikationsmarkt. Der Glasfaserausbau verzeichnete Fortschritte, doch zentrale Herausforderungen blieben präsent: niedrige Aktivierungsraten, die schleppende Kupfer-Glas-Migration und die notwendige Optimierung von Geschäftsmodellen. Mit innovativen Technologien, strategischem Benchmarking und gezielter Prozessoptimierung konnten Telekommunikationsunternehmen (TKUs) und Stadtwerke jedoch wertvolle Fortschritte erzielen. Folgende Aspekte haben uns in den Projekten unserer Mandanten und im Austausch mit der Branche besonders beschäftigt:

GLASFASERAUSBAU VORANTREIBEN UND NACHFRAGE STEIGERN

Der Erfolg der Gigabitstrategie ist sichtbar: Deutschland hat sich dem Ziel einer Glasfaserausbauquote von 50 % bis 2025 im Rahmen der Gigabitstrategie im vergangenen Jahr deutlich angenähert. Doch der Ausbau allein reicht nicht aus. Von den erschlossenen „Homes Passed“ waren 2024 lediglich 22,8 %1 aktiv genutzt – eine Lücke, die dringend geschlossen werden muss. Die Steigerung der Nachfrage bleibt hierbei der Schlüssel. Endkunden erkennen den Mehrwert eines Glasfaseranschlusses oft noch nicht. Informationskampagnen, zielgerichtete Kommunikation und innovative Anreize sind notwendig, um die Vorteile von Glasfaser – Geschwindigkeit, Stabilität, Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit – ins Bewusstsein der Verbraucher zu rücken.

KUPFER-GLA S-MIGRATION BESCHLEUNIGEN UND DOPPELAUSBAU VERMEIDEN

Die langsame Migration von Kupfer- auf Glasfasernetzen hemmt den Wettbewerb und blockiert wichtige Ressourcen. Eine diskriminierungsfreie Abschaltung der Kupfernetze ist daher unverzichtbar, um den Netzausbau effizienter zu gestalten. Gleichzeitig bietet Open Access die Möglichkeit, Netzkapazitäten gemeinsam zu nutzen und kostspieligen Doppelausbau zu vermeiden. Insbesondere in ländlichen Regionen – wo strukturelle Barrieren oft die größten Hürden darstellen – bleibt die interkommunale Zusammenarbeit der Schlüssel zum Erfolg.

VERÄNDERTE RAHMENBEDINGUNGEN UND NEUE ANSÄTZE

Die regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich 2024 weiterentwickelt. Anpassungen im rechtlichen Umfeld und ein volatiles Finanzklima erfordern von Unternehmen eine flexible und zukunftsorientierte Strategie. Die Fähigkeit, sich diesen Veränderungen schnell anzupassen, war ein zentraler Erfolgsfaktor – ein Thema, das auch 2025 weiter an Bedeutung gewinnen wird. Mehr lesen Sie hier.

STRATEGIEWE RKZEUG BENCHMARKING

Die veränderten Rahmenbedingungen haben wir zum Anlass genommen, die Ertragskraft sowie die Finanzierung der TKUs im Rahmen unseres Benchmarkings (TK-Quick-Check) genauer zu untersuchen. Der Quick-Check hat sich als wertvolles strategisches Instrument bewährt, um bestehende Unternehmen zu evaluieren und ihre Position im Marktvergleich zu beurteilen. So können Optimierungspotentiale identifiziert und der langfristige Erfolg gesichert werden.

KOOPERATIO​NEN UND STRATEGISCHE PARTNERSCHAFTEN FÖRDERN

Kooperationen haben sich 2024 als Treiber für Effizienz und Reichweite von Infrastrukturprojekten erwiesen. Gemeinsame Glasfaserprojekte, regionale Netzwerke und strategische Partnerschaften zwischen Stadtwerken und TKUs bieten enorme Potenziale: Risiken werden geteilt, Ressourcen gebündelt und Synergien und Fähigkeiten der Kooperationspartner optimal genutzt. Eine klare Definition der rechtlichen Rahmenbedingungen bleibt hierbei essenziell, um die langfristige Tragfähigkeit der Zusammenarbeit sicherzustellen. Mehr lesen Sie hier.

PRIVATE-INVE STOR-TEST (PIT): RECHTSSICHER INVESTIEREN

Der Private-Investor-Test (PIT) hat sich für die öffentliche Hand als zentrales Instrument etabliert, um öffentliche Investitionen auf Beihilferechtskonformität zu prüfen. Durch die realitätsnahe Simulation eines privaten Investors können rechtliche Risiken minimiert und zukunftssichere Investitionsentscheidungen getroffen werden. Mehr lesen Sie hier und hier.

WEGERECHTE: EI​GENTUM AN GLASFASERNETZEN LANGFRISTIG SICHERN

Bei der Verlegung von Glasfaserinfrastruktur in öffentlichen Verkehrswegen werden Nutzungsrechte gemäß § 125 Abs. 2 TKG relevant. Diese sind auf Antrag durch die Bundesnetzagentur zu übertragen, wenn der Antragsteller nachweislich fachkundig, zuverlässig und leistungsfähig ist, Telekommunikationslinien zu errichten und die Nutzungsberechtigung mit den Regulierungszielen vereinbar ist. Durch die Erlangung der Nutzungsrechte können Risiken minimiert und das Eigentum an der verlegten Glasfaserinfrastruktur langfristig gesichert werden. Mehr lesen Sie hier.

MOBILFUNK: LANGFRISTIGE WERTSCHÖPFUNG DURCH VERPACHTUNG VON FLÄCHEN

Die Verpachtung von Flächen von Kommunen oder kommunaler Unternehmen an Funkturmbetreiber hat sich in mehrerlei Hinsicht als Geschäftsfeld etabliert. Zum einen können hierdurch langfristig zusätzliche Einnahmen erzielt werden. Zugleich leistet die Kommune bzw. das kommunale Unternehmen einen eigenen Beitrag zur Verbesserung der Mobilfunkabdeckung im Gemeindegebiet. Mehr lesen Sie hier.

FA​ZIT​

2024 war geprägt von Fortschritten, Erkenntnissen und notwendigen Anpassungen. Der Weg zur Gigabitgesellschaft ist geebnet, doch der entscheidende Schritt liegt darin, bestehende Netze nicht nur zu bauen, sondern sie aktiv zu nutzen. Eine gesteigerte Nachfrage, effiziente Prozesse und strategische Kooperationen sind die Schlüsselfaktoren für den Erfolg. 2024 war nicht nur ein Jahr der Herausforderungen, sondern auch der Zusammenarbeit: Inspirierende Begegnungen, u.a. bei den fiberdays, dem Di² Summit, der ANGA COM, dem Bayerischen Breitbandforum und der BREKO-Jahrestagung haben den wertvollen Austausch in der Branche geprägt. Wir danken unseren Mandanten, Partnern und Kolleginnen und Kollegen für das entgegengebrachte Vertrauen und freuen uns auf viele gemeinsame Projekte im kommenden Jahr.

Wir sind bereit, gemeinsam mit Ihnen die Chancen des digitalen Wandels zu nutzen. Lassen Sie uns den Ausbau weiter vorantreiben – effizient, nachhaltig und zukunftsorientiert.

Ihr Team Telekommunikation von RÖDL

Quelle:

1BREKO Marktanalyse 2024