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Aneta Majchrowicz-Bączyk

Rechtsanwältin (Polen)
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Die Vorschriften über die Unterkapitalisierung sind ein wesentlicher Faktor bei der Auswahl der Finanzierungsquellen eines Unternehmens. Es ist also empfehlenswert, die ab dem 01.01.2015 eingeführten Änderungen näher zu betrachten – sowohl im Kontext bereits bestehender Darlehensverträge als auch geplanter Geschäfte zur Finanzierung eines Unternehmens.

Was wird sich in den Vorschriften über die Unterkapitalisierung ändern?

ie Vorschriften über die Unterkapitalisierung im jetzigen Wortlaut legen folgende Beschränkung fest: Nicht zu den abzugsfähigen Betriebsausgaben zählt derjenige Teil der zugunsten entsprechender verbundener Unternehmen gezahlten Zinsen, der auf den Überhang des Werts des Darlehens über das Dreifache des eingezahlten Stammkapitals des Darlehensnehmers berechnet wird.

Zum einen führt die Novelle Änderungen in der gegenwärtigen Konstruktion der Vorschriften über die Unterkapitalisierung ein. Die wichtigsten von ihnen stellen sich wie folgt dar:

  • Gemäß der Novelle werden wir den Wert der Verschuldung mit demjenigen des Eigenkapitals, und nicht – wie jetzt – mit dem Wert des dreifachen Stammkapitals vergleichen;
  • Gemäß der Novelle soll die Beschränkung aufgrund der Vorschriften über die Unterkapitalisierung Darlehen betreffen, die nicht nur von direkten, sondern auch von indirekten Gesellschaftern erteilt wurden;
  • Gemäß der Novelle ist das Verhältnis zwischen der Verschuldung und dem Eigenkapital zum letzten Tag des Monats vor dem Tag, an dem die Zinsen gezahlt wurden, und nicht – wie jetzt – zum Tag der Zahlung der Zinsen zu berechnen.

Zum anderen bietet der Gesetzgeber eine Alternative zur Anwendung der Vorschriften über die Unterkapitalisierung. Der Steuerpflichtige wird nämlich Folgendes wählen können: Entweder wird er die Beschränkung aufgrund der Vorschriften über die Unterkapitalisierung oder aufgrund des neu aufgenommenen Art. 15c des Körperschaftsteuergesetzes anwenden.

Dieser Artikel beinhaltet zwei Beschränkungen bei der Hinzurechnung der Zinsen auf alle Darlehen (d.h. nicht nur auf Darlehen von entsprechenden verbundenen Unternehmen) zu den abzugsfähigen Betriebsausgaben.

Somit können zu den abzugsfähigen Betriebsausgaben nur die Zinsen gerechnet werden, deren Wert Folgendes nicht überschreitet:

  • das Produkt des Referenzsatzes der Polnischen Nationalbank (ca. 2,5%), erhöht um 1,25 Prozentpunkte, und des Steuerwerts der materiellen Aktiva eines Unternehmens; und
  • 50% des erwirtschafteten betrieblichen Gewinns.

Die Höhe des eingeführten Limits wird also vom Wert der Aktiva des Unternehmens und dem Wert des erwirtschafteten betrieblichen Gewinns abhängig sein. Dies bedeutet Folgendes: Für Unternehmen, die über ein großes Vermögen verfügen, das auch nur einen mittleren betrieblichen Gewinn erzielt, und die nur von einem verbundenen Unternehmen Darlehen zu ihrer Finanzierung beziehen, kann die Anwendung der neuen Beschränkung weniger spürbar (also finanziell effektiver) sein als die Anwendung der bisherigen bzw. der novellierten Vorschriften über die Unterkapitalisierung.

Wichtige Übergangsvorschriften

Von Bedeutung ist auch die Geltungsdauer der genannten Vorschriften. Sie werden nur auf diejenigen Zinsen Anwendung finden, die sich aus Darlehen ergeben, welche dem Steuerpflichtigen tatsächlich nach dem 01.01.2015 erteilt wurden. Auf Darlehen, die den Steuerpflichtigen bis zum 31.12.2014 übergeben werden, finden die bisherigen Vorschriften Anwendung. Von dieser allgemeinen Regel gibt es jedoch eine sehr günstige Ausnahme: Nach dem 01.01.2015 und nach Erfüllung bestimmter formeller Anforderungen werden die Steuerpflichtigen auf die Anwendung der Vorschriften über die Unterkapitalisierung im derzeitigen Wortlaut verzichten können. Im Gegenzug dafür werden sie die Beschränkungen aufgrund von Art. 15c des Körperschaftsteuergesetzes beachten müssen.

Erwägen Sie unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten der Gesellschaften, so lohnt es sich, bei der Auswahl der Finanzierungsquelle die Chancen und Bedrohungen aufgrund der geplanten Änderungen der Vorschriften über die Unterkapitalisierung zu berücksichtigen. Wir unterstützen Sie gerne dabei und bieten Ihnen Steuerberatung in Polen bei Körperschaftsteuer, Einkommensteuer und Umsatzsteuer an. Unsere Steuerberater in den Büros von Rödl & Partner in Breslau, Danzig, Gleiwitz, Krakau, Posen und Warschau stehen Ihnen zur Verfügung und beantworten gerne Ihre Fragen im Rahmen der Steuerberatung in Polen.